Das Klassikforum
Registrierung Kalender Mitgliederliste Teammitglieder Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

Das Klassikforum » Musikalische Gattungen » Klaviermusik » Brahms, Johannes - Klavierwerke » Brahms - "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" op. 24 » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Seiten (2): [1] 2 nächste » Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Brahms - "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" op. 24
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Brahms - "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" op. 24 Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Brahms schrieb die "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" 1861, also mit erst 28 Jahren. Er widmete sie Clara Schumann zum 42. Geburtstag. Das kurz oft "Händel-Variationen" genannte Werk besteht aus der Aria, 25 Variationen und einer abschließenden Fuge. Spieldauer: knapp eine halbe Stunde.

Brahms bezeichnete die Händel-Variationen einmal als sein persönliches Lieblingswerk.

Das sehr einfache Thema entstammt der Aria con Variazioni der ersten Suite in B-Dur (HWV 434) aus dem 2. Band von Händels Werk "Suites de Pièces pour le Clavecin" (HWV 434 bis 442).
Die einzelnen 25 Variationen kann man sehr schön hier in der engl. Wiki nachlesen und auch Noten dazu ansehen. Brahms bleibt in Takt und Tonart eigentlich nahe an der Vorlage, wechselt aber reichhaltig Stimmung und Ausdruck, so dass viele kleine, farbig verzierte Charakterstücke sich aneinanderreihen.
Die prachtvolle vierstimmige Schlussfuge steigert den Abschluss zu einem tollen Finale.

Hier kann man sich das Thema und die Variationen 1-4 sowie die Schlussfuge komplett anhören:
http://www.ingo-dannhorn.de/index.php?id=160


Ich liebe diese Variationen sehr und habe etliche Einspielungen davon. Mein absoluter Favorit:



Ich freue mich auch schon sehr drauf, dass Sokolov im März in Berlin voraussichtlich dieses Werk spielen wird :-)
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
28.12.2011 12:01 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zur Widmungs- und Uraufführungsgeschichte:
Clara Schumann, die die Variationen auch "Hexenvariationen" nannte und sie am 7.12.1861 in Hamburg uraufführte, schrieb darüber:

"Johannes hat wunderschöne Sachen geschrieben, und Variationen, die mich ganz entzücken, voller Genialität, mit einer Fuge am Schluß, die Kunst und Begeisterung in einer Weise vereint, wie ich Weniges kenne. Sie sind furchtbar schwer, ich habe sie aber doch nun beinah gelernt – es steht darüber "für eine liebe Freundin“ – Du kannst Dir denken, welche Freude mir der Gedanke macht, daß er bei diesen herrlichen Var. an mich gedacht.“ (3.11.1861 Brief an Tochter Marie)

Clara Schumann wollte das Werk bald nach ihrem Geburtstag (13.9.) auf's Programm setzen, tat sich aber wohl schwer mit dem Einüben: "Ich kann nicht sagen, wie leid es mir ist, daß diese Variationen, für die ich so begeistert bin, über meine Kräfte gehen." (Brief an Brahms). Brahms mahnte sie dann im Oktober, er hätte Variationen zu ihrem Geburtstag gemacht, "die du noch immer nicht gehört hast, und die du schon längst hättest einüben sollen, für deine Konzerte". Clara reiste dann nach Hamburg, um sie dort in Brahms' Wohnung zu spielen.

Sie schrieb über die Uraufführung in ihr Tagebuch:
” Am 7. December gab ich noch eine Soiree, wo ich Johannes Händel-Variationen spielte. Ich spielte sie unter Todesangst, aber dennoch glücklich und mit viel Beifall. Johannes aber kränkte mich tief durch die Gleichgültigkeit, die er mir in Bezug darauf bewies. Er äußerte, er könne die Variationen nun nicht mehr hören, es sei ihm uberhaupt schrecklich, etwas von sich hören zu müssen, unthätig dabei zu sitzen.“ (Tagebucheintrag vom Dezember 1862)

Infos zitiert nach dem Buch "Clara Schumann: Musik und Öffentlichkeit" von Janina Klassen von Böhlau

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
28.12.2011 13:15 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Rachmaninov Rachmaninov ist männlich
Administrator


Dabei seit: 17.03.2006
Beiträge: 12.728

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo Heike,

danke für den Thread.

Die Händel-Variationen von Brahms gehören nicht zu meinen Vavoriten was sein Schaffen angeht.

Werde aber versuchen die mir vorliegenden Aufnahmen mal konsequent zu hören.
Darunter sind Tokarev, Ugorsky, L. Fleisher und R. Serkin.

__________________
_____

Administrator: Das Klassikforum
31.12.2011 09:23 Rachmaninov ist offline E-Mail an Rachmaninov senden Beiträge von Rachmaninov suchen Nehmen Sie Rachmaninov in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Bei mir ist es umgekehrt, solange ich Brahmssche Klaviermusik kenne, stehen die Händelvariationen immer ganz oben an. Auf die neue Perahia-CD bin ich neugierig, warte allerdings auf fallende Preise. Eine Hochpreis-CD kommt bei mir so gut wie nie ins Haus.

Gruß Amadé

__________________
BEST
31.12.2011 09:49 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Bei jpc ist die Perahia-CD gerade für 11,99 zu haben.
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
31.12.2011 10:10 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Danke Heike,
das wird die erste CD des neuen Jahres.

danke

__________________
BEST
31.12.2011 13:28 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen



Gestern Abend im Player: sehr fein und überlegt gespielt, die lyrischen Variationen - in der Mehrzahl - wie von mir erwartet, besonders gelungen. Mit einer Gesamtspielzeit von 25:51 liegt er in etwa im Mittelfeld meiner Aufnahmen, die schnellsten: Egon Petri, Yves Nat, Benno Moisseiwitsch und Walter Klien alle unter 24', die langsamsten Arrau, Michail Rudy und Anreas Boyde, danach dann noch Barenboim mit der Rekordzeit von 30:58.
Ich habe das Werk mit Wilhelm Kempff kennengelernt, noch eine Mono-Aufnahme und noch lieferbar in:



Diese Aufnahme gehört mit zu meinen liebsten, die neue Perahia-CD kann man guten Gewissens empfehlen. Die KLavierstücke werden heute gehört.

Gruß Amadé

__________________
BEST
04.01.2012 10:26 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Die Kempff-Aufnahme mag ich auch wahnsinnig gern. Bewundernswert, in welcher gesteigerten Rasanz der spielte und wie technisch souverän, aber eben gar nicht technisch. Mal ganz zart, dann wieder wild, dann gedankenverloren und noch so vieles mehr. Die Aufnahme habe ich schon sehr oft gehört, die ist einfach toll.

Die anderen Aufnahmen muss ich mal wieder hören, seit ich Perahia habe, waren die lange nicht mehr im Player.

Gerade höre ich aber Solomon auf youtube, eine Aufnahme von 1942. Interessant, was man da alles findet!

Heike

P.s. jetzt Richter Teil 1 Teil 2 Teil 3

P.p.s. jetzt Ashkenazy - sehr schön mit den fortlaufenden Noten zum Mitlesen

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Heike: 05.01.2012 23:40.

05.01.2012 23:03 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen



Serkins Händel-Variationen können mich auch heute noch begeistern. Das ist eine meiner favorisierten Aufnahmen. Virtuos, kraftvoll, manchmal von getriebener Rastlosigkeit - aber in den lyrischen Passagen anderseits sehr schön und intim. Die Aufnahme hat was Geheimnisvolles, Aufregendes. Schön extrem.
Live_Aufnahme von 1957, Lugano

P.s. Spielzeit: 22.03 min + 4.56 min Fuge

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)

Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Heike: 12.01.2012 17:13.

12.01.2012 16:47 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Ich höre gerade aus dieser Box die Händel-Variationen von Andras Schiff:



Schöner klarer Klang, mit etwas Hall. Man hört Schiffs barocke Prägung, er gestaltet kontrapunktisch und fingerfertig - aber unglamourös, undramatisch. Alles ist schön analytisch durchdacht artikuliert. Also, irgendwie höre ich den Brahms weniger drin als z.B. bei Perahia, auch wenn jede Variation schön ausgestaltet ist. Das Tempo ist nicht allzu flott, aber beschwingt. Insgesamt ist mir die Aufnahme vielleicht einen Hauch zu kontrolliert, gefällt mir aber sonst recht gut, hat viele kleine liebevoll ausgestaltete Details.

Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
12.03.2012 19:35 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Heike
Schöner klarer Klang, mit etwas Hall.


Das sehe ich auch so, mr gefällt das sehr plastische Klavierspiel, da kommt ihm sicher der jahrelanger Umgang mit Bachs Klaviermusik zugute. Schiff scheint auch immer das gesamte Stück im Auge zu haben, weniger die Details, die er gewiss nicht vernachlässigt oder gar darüber hinweg spielt. In seiner Interpretation ist es m.E. eindeutig ein Stück für die Konzertbühne, weniger für die stille Kammer.

Grüße Amadé

__________________
BEST
19.03.2012 12:06 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Dass die Aufnahme von Daniel Barenboim mit der Rekordzeit von 30:58 min am langsamsten Ende der Einspielungen rangiert, darauf hat Amadé oben schon hingewiesen. Nun könnte man ja gleich abwinken und denken, das kann nix sein - aber so ist es gar nicht! Das gefällt mir auch. Es ist quasi genau das Gegenteil einer ganzheitlichen Konzertbühnen-Interpretation, sondern eher ein spannungsgeladenes Miniaturen-Puzzle. Was Barenboim wunderbar macht ist das Einfangen von wechselnden Stimmungen, es kommt mir vor wie ein poetisches Schlendern von Raum zu Raum, oder wie eine Zeitreise: ein hektischer Tag nach einem glücklichen usw. Er spielt ein schönes Legato mit weiten Bögen, auch gefällt mir die Dynamik und er hat sich bestimmt viele Gedanken um die Übergänge zwischen den Variationen gemacht. Zum Beispiel den Wechsel zwischen der ruppigen, resolut gespielten 4. Variation und der folgenden lyrischen, verträumten Melodie in Var 5 finde ich auch klanglich berückend schön. Var 9 z.B. ist bei ihm fast ein eigenes Charakterstück mit vielen athmosphärischen Facetten. Vieles hat eine explizite Sinnlichkeit in dieser Langsamkeit - das Werk verträgt das. Wobei nicht alles langsam ist, er kann auch zulegen und tut das auch. Zu Beispiel Var 14 (die mit den vielen Trillern am Anfang) ist flink - und weil er die Variation davor sehr bedächtig spielt, ist der Kontrast umso stärker.
Kritisieren würde ich vor allem den Beginn, die erste Variation, das finde ich zu pointiert buchstabiert. Das Ende wiederum mag ich, die Fuge ist wie ein zwingend zelebrierter Abgesang, wo sich die Gedanken nochmal vermischen, sich quasi Stück für Stück totlaufen und dann enden.
Fazit also: Eine gelungene Aufnahme, irgendwie mutig in dieser Langsamkeit, aber das hat was - Brahms nicht als Virtuosenstück, sondern als extremistische Spielwiese im Sinne von Ausdruckstheater.
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
20.03.2012 17:51 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen



Jenö Jando bemüht sicht um eine genau ausgefeilte Wiedergabe der Händelvariationen, ohne nähere Charakterisierungder einzelnen Stücke. Darüberhinaus spüre ich keine persönliche Hingabe, die Variationen reihen sich aneinander, ein Blick unter die Oberfläche wird kaum riskiert, deshalb bleibt auch kaum eine im Ohr als bemerkenswerte Lesart hängen. Man könnte von einer Schwarz-weiß-Aufnahme sprechen.
Zum ersten Kennenlernen für den schmalen Geldbeutel jedoch nicht von der Hand zu weisen, zumal sich weitere Brahmsche Ohrwürmer auf der CD befinden. Die 3 Intermezzi op.117 werden allerdings ziemlich blutleer dargeboten.



Beim ersten Anhören stellte sich eine kalte Dusche ein, einer der bedeutendsten Pianisten des vergangenen Jahrhunderts muss auf einem abgespielten Flügel von annodazumal das abliefern, was er sich auf einem bestens hergerichteten Instrument jahrelang erarbeitet hat, ein Skandal. Der Flügel klingt hart, aller Obertöne beraubt, holzschnittartig, ohne jeden Duft, und das im Jahr 1988, UdSSR, wenn die Angaben stimmen. Die CD gehört eigentlich sofort in den Müll, wenn da nicht dieses alles sogleich in den Bann ziehende Klavierspiel von Svjatoslav Richter wäre, das die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht! Genau umrissen und plastisch aufgestellt werden die einzelnen Variationen und auf ihren Gehalt abgeklopft, soweit es bei der Kürze der Stücke möglich ist. Richter hat eine Vorstellung davon und kann es rüberbringen, wie sich Brahms sein op.24 gedacht hat, nochmals jammerschade, in diesem Gewand. Vielleicht existiert noch irgendwo eine andere Aufnahme der Händelvariationen mit Richter, die Suche wird sich sicher lohnen.
Vorsicht beim Label Doremi, es ist nicht das erste mal, dass ich enttäuscht bin.

Grüße Amadé

__________________
BEST
21.03.2012 18:33 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen



Die Aufnahme von Nikolai Tokarev finde ich enttäuschend. Das ermüdet mich mehr und mehr, desto länger es dauert. Es macht den Eindruck, da hat ein Klavierschüler es perfekt eingeübt, aber keine Idee, was es soll. Kein Charme, dynamisch spuckelangweilig, Bleifuß auf dem Pedal. Wiederholungen werden oft einfach nochmal runtergespielt, auch klanglich fehlt jede Differenzierung. Besonders die lyrischen Variationen verklingen, ohne zu berühren. Besonders lieblos finde ich Var 12 und 13. Aber auch die Triller in 14 sind weder dicht noch gleichmäßig, zudem gehen sie fast komplett in dröhnendem Bassgehämmer unter. Zum Schluss kommt in den letzten Variationen noch mal ein wenig Bewegung auf, aber im Grunde genommen finde ich die Interpretation misslungen.
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
21.03.2012 19:32 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

@Amadé, was Richter angeht:

Zitat:
Der Flügel klingt hart, aller Obertöne beraubt, holzschnittartig, ohne jeden Duft, und das im Jahr 1988, UdSSR, wenn die Angaben stimmen.


Das ist eine live-Aufnahme aus Krasnojarsk UdSSR vom 29. August 1988. Also im finstersten Sibirien aufgenommen. Ich bin genauso hin und hergerissen wie Du, das fasziniert einen einerseits in dieser Fülle und Lebendigkeit, und dann ist man wieder frustriert wegen des Klanges. Man findet das übrigens auch komplett auf youtube, ich hab es oben verlinkt.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass er das Werk nicht vorher schon hier oder da gespielt hätte. Aber ich kenne keine weitere Aufnahme. Vielleicht taucht ja irgendwann irgendwo noch ein Band auf ....

Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Heike: 21.03.2012 19:45.

21.03.2012 19:44 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Weiter geht es mit Leon Fleisher (1956):



Ich finde das Weltklasse! Das hat eine Leichtigkeit und gleichzeitig eine fabelhaft raffinierte Strukturiertheit. Fleishers Gestalktungskraft ist äußerst beeindruckend. Während er das Thema mit einer barocken Strenge und Grazie spielt, variierten die Variationen im besten Sinne des Wortes. Da hat man lyrische Zartheit genauso wie swingende Rhythmen oder durchdachte Linienführungen. Das leichte Rauschen im Hintergrund vergesse ich bei dieser schönen Farbenreichheit ganz schnell. Und - quasi der absolute Gegenentwurf zu Tokarev: DAS sind elegante und aufregende Triller! Unglaublich gut finde ich den letzten Teil: Die 22. Variation ist mit wunderbaren Klängen gestaltet, fast gläsern, man hört quasi Glöckchen klingen. Dann ein intensiver Steigerungslauf mit knackiger (aber nie theatralischer) Dramatik, mit irre flirrenden Sechzehnteln und einem spannungsreichen Sog bis zur Fuge, die dann den souveränen und rasanten Höhepunkt bildet. Tolle Aufnahme.

Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
22.03.2012 17:24 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

@Amadé
Das hört niemand außer uns verwirrt
Schade.
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
23.03.2012 20:46 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Armin70 Armin70 ist männlich


images/avatars/avatar-430.jpg

Dabei seit: 07.12.2009
Beiträge: 1.682
Herkunft: Rodgau

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Heike
@Amadé
Das hört niemand außer uns verwirrt
Schade.
Heike


Stimmt nicht: Dank dieses Threads wurde ich neugierig auf die "Händelvariationen" und kaufte mir diese Aufnahme:


Allerdings hatte ich noch keine Gelegenheit, sie anzuhören aber das werde ich schnellstmöglich nachholen.

Übrigens hatte ich bei Arkivmusic wegen der von Amadé vorgestellten Richter-Aufnahme nachgeschaut und es ist anscheinend die einzigste verfügbare Aufnahme, die Richter von diesem Werk gemacht hat.
23.03.2012 21:30 Armin70 ist offline E-Mail an Armin70 senden Beiträge von Armin70 suchen Nehmen Sie Armin70 in Ihre Freundesliste auf
Amadé Amadé ist männlich


Dabei seit: 10.08.2006
Beiträge: 2.178
Herkunft: NRW

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

oder

Die Aufnahme des britischen Pianisten Solomon Cutner, der als Künstler auf seinen Nachnahmen verzichtete, entstand bereits 1942 in einem Londoner EMI-Studio und wurde, wie es damals üblich war, auf Schellacks festgehalten, das sollte man wissen, um die klanglichen Gegebenheiten der Aufnahme besser einschätzen zu können. Bei seinem Vortrag der Händel-Variationen hält sich Solomon in der Regel genau an Brahms‘ dynamische und Tempovorgaben, dabei stellt sich der intendierte Aufriss der Komposition wie von selbst ein. Das Thema wird ganz schlicht vorgetragen, V.4 ertönt richtig risoluto, bei der folgenden V.5 wird des espressivo nicht überspielt. Die V.9 kommt sehr langsam daher, gravitätisch, aber auch nachdenklich, V.11 mit Duft. Var.14 wird ganz locker genommen, nach der flinken V.16 nimmt sich der Pianist für die folgende Var. mehr Zeit, die staccato-Noten der rechten Hand verlieren so den Anstrich des Zierrats und es kommt so zu einem feinen Dialog zwischen Unterstimme und Oberstimme. Die Fuge bewältigt Solomon souverän, leider zeitbedingt, im Klang zu dicht. Insgesamt gesehen liegt hier eine sehr sachbezogene Interpretation vor, man spürt aber auch Solomons tiefe Beziehung zu dem Stück. Die Aufnahme sollte jeder Liebhaber der Händelvariationen zumindest gehört haben.

Gruß Amadé

__________________
BEST
25.03.2012 10:36 Amadé ist offline E-Mail an Amadé senden Homepage von Amadé Beiträge von Amadé suchen Nehmen Sie Amadé in Ihre Freundesliste auf
Heike Heike ist weiblich


images/avatars/avatar-512.jpg

Dabei seit: 18.05.2008
Beiträge: 4.255
Herkunft: Berlin

Themenstarter Thema begonnen von Heike
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen



Die Aufnahme von Claudio Arrau aus Schwetzingen (1963) zeigt einen gut aufgelegten, vitalen Arrau. Hier hört man fast in jeder Variation irgendwas, was total überraschend ist, es sprudelt voller Energie und hat zudem eine furiose Steigerung zur Fuge hin. Diese Aufnahme fesselt mich deshalb viel mehr als auf der Studioaufnahme bei Philipps (1977). Das hier ist lebendiger und spannender. Arrau kann natürlich unglaublich gut Klavier spielen und das kann er in der live-Situation voll ausspielen. Wie er in der 4. Variation plötzlich total wild zwischen den Oktaven hin und her springt oder wie brilliant das in der 8. Var. fließt, das reißt mit. Auch klanglich macht die Differenzierung Spaß, z.B. die knackige 10. Variation und dann ganz poetisch in der 11. ganz andere Töne angeschlagen, oder gleich in den ersten Variationen, wie er da die Stimmen verwebt und dabei die Töne lange nachklingen lässt, total interessant. Beeindruckend, wie es in den letzten Variationen umherwirbelt und trotzdem durchsichtig bleibt und er jeden Akkord messerscharf abgrenzen kann. Bei vollem Risiko geht natürlich auch mal was daneben, aber das stört nicht.
Mich stört hingegen sehr, dass sie einzelnen Tracks leider getrennt sind, vielleicht liegt das an meiner Kopie, dass die Übergänge mitunter vermasselt schlecht aufgenommen sind.
Heike

__________________
"If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
26.03.2012 19:46 Heike ist offline E-Mail an Heike senden Beiträge von Heike suchen Nehmen Sie Heike in Ihre Freundesliste auf
Seiten (2): [1] 2 nächste » Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Das Klassikforum » Musikalische Gattungen » Klaviermusik » Brahms, Johannes - Klavierwerke » Brahms - "Variationen und Fuge über ein Thema von Händel" op. 24

Counter
Besucher seit:
09.04.2006 09:00 Uhr


Forensoftware: Burning Board 2.3.5, entwickelt von WoltLab GmbH